Allein zu Hause - Reloaded von Zauber-Maus ================================================================================ Kapitel 3: Wer Freunde hat, braucht keine Feinde ------------------------------------------------ Mamoru war auf dem Weg nach Hause. Die Pizza unter seinem Arm, die noch warm in ihrem Karton schlummerte, duftete verlockend und sein Magen reagierte auf den verführerischen Geruch mit einem lauten Knurren. Er war froh, dass Bunny nicht darauf bestanden hatte, selber zu kochen. Den ganzen Tag über hatte er mit einem Studienkollegen für die Abschlussprüfung gelernt und jetzt freute er sich einfach auf ein leckeres Abendessen mit den Mädchen. So bog er fröhlich pfeifend in seine Straße ein, doch schon von Weitem fiel ihm auf, dass sich irgendetwas an seinem Haus verändert hatte. Dieser Eindruck besserte sich auch nicht beim Näherkommen. Eingesäumt von ein paar Nelkenkirschbäumen und malerisch beschienen vom vollen Mond lag das Gebäude scheinbar friedlich da. In den umgebenden Häusern war bereits Stille eingekehrt; nur hier und da leuchtete ein Fenster in der Dunkelheit. Die Nacht war mild. Alles atmete die Ruhe und Besinnlichkeit eines zu Ende gegangenen Tages und doch wurde er das Gefühl nicht los, dass irgendetwas anders war. Mamoru ging unsicher weiter, folgte der Mauer, die sein Heim umgab, und passierte schließlich das Gartentor. Das große Loch, das unübersehbar seinen Vorgarten zierte, erregte zuerst seine Aufmerksamkeit. Hätte der Erdenprinz nicht genau gewusst, dass er keinen Pool bestellt hatte, hätte er glauben können, dass die Arbeiten dazu schon mal begonnen hatten. Aber so ein Schwimmbecken überstieg sein mickriges Gehalt und schließlich wollte er, dass seine Zukünftige noch die Gründung von Crystal Tokyo erlebte. Also! Was war hier nur geschehen? So ein Krater kam doch nicht aus dem Nichts! Sicher, zur Hochblüte ihrer Sailor-Tätigkeit waren solche Verwüstungen nichts Ungewöhnliches gewesen, aber jetzt . . . Die Macht der plötzlichen Erkenntnis lähmte den jungen Mann für ein paar Augenblicke. Nahezu reglos stand er da und grübelte über die Möglichkeit von Kampfaktivitäten in seinem Garten! Erst als ihm klar wurde, dass sich der Krater dort befand, wo früher sein Rosenbeet gestanden hatte, löste sich die Starre und Wut stieg in ihm auf. Ruckartig huschte sein Blick zum Haus hinüber. Ein paar Sätze und schon war Mamoru am Eingang. Als er die Haustür öffnete, empfing ihn ein Gemisch aus Qualm, Lichtblitzen und Wortfetzten. Sein erster Gedanke war der an neue Gegner. Hastig warf er die Pizzakartons zur Seite und rannte durch den Flur der Küche entgegen, aus der in regelmäßigen Abständen Licht drang. Er war fast angekommen, da ertönte ein lauter Schrei! Geistesgegenwärtig warf er sich zu Boden und konnte sich so gerade noch retten, bevor ein WORLD SHAKING in der Wand neben ihm einschlug. Er brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass dies keinesfalls eine gegnerische Attacke gewesen war, sondern eindeutig auf das Konto von Uranus ging. Die Konterattacke ließ nicht lange auf sich warten und noch mehr absurde Fragen begannen seinen Geist zu verwirren, als er sie als Fighters Angriff identifizierte. //Was zur Hölle geht hier vor?!?!// Mehr konfus als zielstrebig rappelte sich Mamoru wieder auf und ging die letzten Schritte bis zur Küchentür. Vorsichtig riskierte er einen Blick um die Ecke. Das Bild, das sich ihm dann bot, hätte zum Lachen sein können – wenn es nicht seine Küche gewesen wäre, die da in Trümmern lag: In der Mitte des Raumes hatte sich ein Krater gebildet, in dem sich Uranus und Fighter ihre Attacken um die Ohren schlugen. Begleitet wurde das Spektakel von gelegentlichen Rufen á là „Mehr hast du nicht drauf?“ oder „Ich will überhaupt nichts von deiner Freundin!“. Zur Krönung der ganzen Szene turnte Sailor Mars zwischen den Streithähnen herum und richtete offensichtlich Worte der Vernunft oder auch mal einen kleinen Fluch an sie – Mamoru fragte sich, wie sie so lange hatte überleben können. Mit einem tiefen Seufzer beschloss er, den Blick erst einmal von den Kämpfenden abzuwenden. Hier waren doch bestimmt noch mehr Menschen im Haus. Seine suchenden Augen entdeckten zuerst Ami und Taiki, die mit fachmännischer Miene in einer Ecke des Raumes lehnten. Mamoru vermutete, dass sie sich ausrechneten, wer sich von den beiden Streithähnen zuerst mit der eigenen Attacke umbrachte. Bunny und Makoto waren indes nicht zu sehen. Dafür fand er aber Minako. Sie klebte – wie schon zu Schulzeiten – an Yaten. Beide hatten sich ins Wohnzimmer verzogen und beobachteten das Treiben aus sicherer Entfernung. //Na großartig! Bei ARD und ZDF (Zerstörung Der Feinkostabteilung) sitzen sie in der ersten Reihe!// Jetzt rief Yaten Fighter zu, dass sie ihr doch mal die Chips mitbringen könnte, wenn sie schon am Schrank vorbeikam. Natürlich entgegnete die Starlight darauf nichts. Wie auch? Sie war doch viel zu sehr damit beschäftigt, den Raum zu demolieren. Allmählich drohte die Situation wirklich auszuufern. Auftritt Bunny! Vollkommen ahnungslos, die Arme mit Lebensmitteln beladen, stiefelte die Queen of Chaos in die Küche. Ihr folgte Makoto. Allem Anschein nach kamen die Mädchen aus dem Keller und Mamoru, der seine Freundin kannte, vermutete richtig, dass sie dort Zutaten zum Plätzchenbacken geholt hatten. Mit den alten Erzeugnissen fütterte Bunny gerade ihre Freundin und löcherte sie dabei mit Fragen über Konsistenz und Geschmack. Sailor Jupiters Gesicht war inzwischen dunkelgrün angelaufen, sodass es sich von ihrem Kostüm nicht mehr wirklich abhob. Beide Mädchen hatten kaum die Türschwelle passiert, da blieben sie auch schon wie vom Donner gerührt stehen und blickten bestürzt auf die Szene. Ihre Minen verrieten echte Überraschung. Jetzt war Mamoru dem Wahnsinn nahe. Es konnte doch nicht sein, dass sein Haus im Begriff war buchstäblich abgerissen zu werden und keiner sich darum kümmerte!! Da betrat Michiru den Raum. Ihr Blick richtete sich zuerst auf Uranus und Fighter, schweifte dann blitzschnell durch die gesamte Küche und blieb schließlich auf Mamoru liegen. Etwas verwirrt überlegte sie, ob es der beißende Rauch war, der Mamoru die Tränen in die Augen trieb, oder ob das liebevoll sortierte Gewürzregal, das soeben unter einem erneuten STAR SERIOUS LASER in Flammen aufging, der Grund für die feuchten Augen war. Sie entschied sich für Letzteres, behielt ihren Gedanken aber besser für sich. Es schepperte erneut, was Mamorus Gesichtszüge nicht gerade entspannter machte, und Michiru wusste, dass sie jetzt handeln musste. Uranus und Fighter waren so in ihre Auseinandersetzung vertieft, dass sie das DEEP SUBMERGE erst kommen sahen, als es zu spät war. Mit einem lauten Klatschen traf der blaue Energieball die beiden Sailor Kriegerinnen und beförderte sie unsanft zuerst an die nächste Wand und gleich darauf zu Boden. Augenblicklich herrschte Stille im ganzen Haus. Keiner der Anwesenden hatte bis dato daran gedacht, Haruka und Seiya mit einer Attacke zu bremsen. Doch bei näherer Betrachtung erschien allen die Idee genial. Bewundernd sahen sie Michiru, die für sie die Deus Ex Machina* gespielt hatte, an und warteten auf die Reaktion der Betroffenen. Die ließ nicht lange auf sich warten. Sichtlich verwirrt und vor Wasser triefend rappelten sich Uranus und Fighter auf, sahen dann abwechselnd erst sich und dann die Umgebung an und schauten schließlich reumütig in die Gesichter ihrer Freunde. Es war ihnen anzusehen, dass sie die Zerstörung der Küche weder beabsichtigt noch gemerkt hatten. „Also wirklich! Da geht man mal kurz zum Auto und schon geht ihr euch an die Gurgel!“ Michiru blickte streng drein, doch ein kleines Lächeln um ihre Mundwinkel verriet ihre Belustigung. Mamoru schien die Sache allerdings weniger entspannt zu sehen. In seine Stirn hatten sich tiefe Falten gegraben und er schien zu überlegen, was er nun sagen sollte. Bunny nahm ihm die Entscheidung ab. Mit einem lauten „Mamoru!!“ rannte sie auf ihren Freund zu, sprang ihm um den Hals und drückte ihm einen dicken Kuss auf die Wange. „Ich habe ja gar nicht gemerkt, dass du nach Hause gekommen bist.“ Mamorus Blick sagte „Du hast doch noch nicht mal bemerkt, dass deine Freunde die Bude auseinander nehmen“, aber aus seinem Mund kam: „Was um Himmels Willen ist hier passiert, Bunny? Und was hat das Loch im Garten zu bedeuten?“ „Also das Loch geht auf unsere Rechnung“, schaltete sich Maker ein. „Wir hatten da ein paar Probleme mit dem Beamen.“ „Und was die Küche betrifft . . .“ Haruka trat mutig vor ihren Prinzen und sah ihm direkt in die Augen. „Das war irgendwie meine Schuld. Fighter und ich hatten eine kleine . . . ähm . . . Meinungsverschiedenheit, die anscheinend etwas ausgeartet ist. Ich hab sie provoziert.“ „Hey, jetzt heims mal nicht den ganzen Ruhm alleine ein“, kam es hinter Uranus von Fighter. „Ich war schon mehr beteiligt.“ Harukas Augenbraue zuckte schon wieder bedrohlich, aber Mamoru kam ihrer Erwiderung zuvor. „Langweilt euch der Frieden so sehr, dass ihr euch schon gegenseitig die Köpfe einschlagen müsst?“ „Das nicht.“ Fighter dachte kurz nach. „Aber ich muss schon sagen, dass mich das kleine Handgemenge richtig belebt hat. Und um die Wahrheit zu sagen: Ich messe mich mit niemandem lieber als mit dir, Haruka. Du bist die Einzige, die mir zumindest fast ebenbürtig ist.“ Sie zwinkerte Uranus herausfordernd zu. „Das müssen wir bei Gelegenheit mal wiederholen.“ Jupiter ließ ihren Blick über die ramponierte Küche schweifen. „Aber das nächste Mal macht das bitte woanders.“ Fighter lächelte. Mamoru nicht. Haruka überlegte kurz, ob sie Mamoru stecken sollte, dass sich Fighter auch mal an seine Freundin rangemacht hatte, ließ es dann aber mit Blick auf Michiru bleiben. Schließlich wollte sie diese Nacht nicht auf der Couch zubringen. „Tja, wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man Spaß hat.“ Healer war plötzlich aufgesprungen. Überraschend schnell überbrückte sie die Distanz, die zwischen Wohnzimmer und Küche lag, steuerte Fighter an und hakte sich dann bei ihr unter. Da sie etwas kleiner war, musste sie den Kopf heben, um der Schwarzhaarigen ins Gesicht zu blicken. Mit einem breiten Grinsen fuhr sie fort: „Wir müssen jetzt wirklich wieder los. Die Prinzessin wartet bestimmt schon mit dem Abendessen auf uns.“ Fighter und Maker sahen sich vielsagend an, nickten dann aber. „Healer hat recht“, bestätigte Taiki. „Wir sind schon viel zu lange weg. War schön, euch mal wiedergesehen zu haben.“ „Och, ihr wollt schon wieder weg?“ Bunny sah enttäuscht aus. „Nicht traurig sein, Schätzchen. Wir kommen bestimmt in nächster Zeit nochmal vorbei.“ Ein Blick in die Runde verriet, dass alle sich wünschten, dieser Tag möge noch fern sein. Auf halbem Weg zum Ausgang drehte sich Seiya nochmal um. „Das ganze Durcheinander tut uns wirklich leid. Schickt uns einfach die Rechnung von den Dingen, die ersetzt werden müssen.“ „Wie denn?“, fragte Healer. „Wir haben doch keinen Briefkasten.“ Alle drei Starlights brachen in schallendes Gelächter aus. Die etwas verwirrten Gesichter der Anderen holten sie aber schnell wieder in die Realität zurück. Sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischend lenkte Fighter ein. „War nur ein Scherz. Natürlich bezahlen wir den Schaden. Wenn wir das nächste Mal hier sind, bringen wir Geld mit.“ Sie zwinkerte Bunny zum Abschied zu und machte eine verabschiedende Geste in Richtung Mamoru. Rei überlegte, ob es Fighter bewusst war, dass sie gerade die Küche des zukünftigen Erdenkönigs in Schutt und Asche gelegt hatte. In ihrem Kopf malte sie sich bereits das nächste Zusammentreffen der beiden aus: Crystal Tokyo im 23. Jahrhundert. Neo-Königin Serenity und Neo-König Endymion begrüßen die Abgesandten des Planeten Kinmoku. Endymion: Das letzte Mal, als ihr hier wart, habt ihr meine Küche demoliert.“ Fighter: „Ups“ Endymion: „In den Kerker mit ihnen!“ Rei schüttelte den Kopf. Diplomatisch unklug. Inzwischen hatten die Starlights die Gartentür – oder das, was noch von ihr übrig war- geöffnet und waren unter lauten Abschiedsworten ins Freie getreten. „Und tut uns bitte einen Gefallen!!“, rief Ami ihnen hinterher. „Geht bis zur Ecke und beamt dann!!!“ Es gab keinen Hinweis darauf, ob sie die Bitte gehört hatten, doch das Ausbleiben einer Explosion in den folgenden Minuten war ein gutes Zeichen. Etwas ratlos sahen sich die Zurückbleibenden in der Küche um. „Ich habe gerade ein ganz starkes Déjà Vu“, gestand Makoto. „Erinnert ihr euch noch an den Tag, als Bunnys Eltern übers Wochenende weggefahren waren und wir zu Besuch kamen, damit sie nicht allein bleiben musste.“ „Ja natürlich. Nur, dass uns damals Feinde angegriffen haben und Seiya nackt unter Bunnys Dusche stand.“ Mamoru fuhr herum. „Wie bitte?” „Minako! Halt den Mund!” „Schon gut, schon gut, ich meinte ja auch nur.“ Rei schauderte. „Damals hat es ewig gedauert, bis wir alles wieder aufgeräumt hatten.“ „Da kann man wohl nichts machen. Aber wie heißt es doch so schön? Was lange wärt, will Weile haben.“ „Minako, du hast das Sprichwörter-Lexikon, das ich dir zum Geburtstag geschenkt habe, nicht wirklich gelesen, oder?“ Ami seufzte, als sie Minakos fragenden Blick sah. „Vergiss es. Lasst uns lieber aufräumen.“ *ENDE* *deus ex machina bezeichnet ursprünglich das plötzliche Auftauchen einer Gottheit im Theater, der Begriff hat sich aber im Laufe der Zeit gewandelt und steht nun synonym für eine wie aus dem Nichts kommende Hilfe Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)